Gesamtschule – Schule mit Zukunft
„Die Gesamtschule (GeS) ist heute weltweit etabliert. In Deutschland und Österreich gibt es dagegen noch einen gewissen Nachholbedarf,“ stellt Dr. Heiner Massmann, Mitglied des Gemeinderats Wurster Nordseeküste, fest. „Das ist einerseits in soweit verwunderlich, als GeS mehrfach den `Deutschen Schulpreis` gewonnen haben, zweimal sogar den Hauptpreis, und damit häufiger als Gymnasien! Andererseits erhält sie immer mehr Anmeldungen, meist sogar mehr als sie aufnehmen kann. Aufgrund dieser Tatsache ist es nicht verwunderlich, dass die GeS immer wieder und verstärkt von Eltern nachgefragt wird,“ ergänzt Heiner Massmann, der seit mehr als 40 Jahren Mitglied der „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“ ist.
Während es im LK Cuxhaven noch keine (integrierte) Gesamtschule gibt, richtet der LK Osterholz unterdessen gerade den dritten GeS-Standort ein. Schon lange pendelten Kinder aus dem Kreis Cuxhaven regelmäßig über die Kreisgrenze dorthin.
Gesamtschulen haben sich bewährt und etabliert, weil sie u.a. beweisen, dass alle Kinder und Jugendlichen ungeachtet ihrer sozio-kulturellen und ethnischen Herkunft gemeinsam lernen und sich erfolgreich entwickeln können. Für viele GeS-Schüler/innen wird der Zugang zu höheren Bildungsabschlüssen von der sozialen Herkunft entkoppelt!
So gelingt es vielen GeS-Schüler/innen, den Realschulabschluss oder das Abitur zu erlangen, denen die Grundschullehrkräfte diese Entwicklung nicht zugetraut hätten. Dies trifft insbesondere auf die sogenannten „Spätentwickler“ zu!
In den Integrierten GeS zeigt sich beispielsweise, dass im Schnitt 55% der Schüler/innen den „Erweiterten Sekundarabschluss I“ und damit die Versetzung in die gymnasiale Oberstufe erreicht haben, wogegen im Landesdurchschnitt nur 28% der aufgenommenen Schüler/innen eine Gymnasialempfehlung hatten.
An GeS ist die Anzahl der Schüler/innen, die keinen Schulabschluss erlangen oder auf eine andere Schulart abgeschult werden, geringer als an anderen Schulformen der Sekundarstufe I. Zugleich ist das Wiederholen eines Jahrgangs an GeS eine seltene Ausnahme – im Gegensatz zu den Schularten des dreigliedrigen Schulsystems.
Eine große Bedeutung hat die Offenheit der Schullaufbahn. Durch die Aufhebung der Trennung der verschiedenen Bildungsgänge soll allen Schüler/innen gemeinsam – unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft - eine optimale Entwicklung und Entfaltung ihrer Möglichkeiten geboten werden. Dieses Ziel gilt auch für Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
Die GeS hat damit bewiesen, dass in den integrierten Systemen eine positive Lern- und Leistungsentwicklung stattfindet. Die oftmals als großer Vorteil des dreigliedrigen Schulsystems genannte „begabungsgerechte“ Aufteilung der Schüler/innen auf drei Schulformen am Ende der Grundschulzeit ist damit deutlich widerlegt!
Andreas Schleicher, Koordinator der PISA-Studien bei der „Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit“(OECD), bestätigt diese Ausführungen und Bewertungen. Auch er stellt fest, dass die Bildungssysteme am besten abschneiden, die allen Schüler/innen gleiche Lernmöglichkeiten bieten. PISA-Studien belegen nämlich, dass Länder mit einer (zu) starken Aufteilung und Gruppierung der Schüler/innen keinesfalls auch den höchsten Anteil an besonders leistungsstarken Schüler/innen aufweisen. Denn es ist nicht nur sozial ungerecht, sondern auch wirtschaftlich höchst ineffizient, Schulsysteme auf der Basis von Exklusion zu organisieren. Bildungsgerechtigkeit und Inklusion sind in einem modernen Bildungssystem und einer modernen Gesellschaft unerlässlich.
Auch wenn es zur Zeit keinen Druck von Seiten der Eltern gibt, hält Michaela Schwitalla, Vorsitzende des Kreiselternrats, die GeS-Initiative für richtig: „Wir würden die Einrichtung einer Gesamtschule im Kreis absolut begrüßen. Das ist eine Schulform, die im Kreis fehlt. Und es gibt immer wieder Eltern, die danach fragen“.
